|
|
 |
 |
 |
|
Zur Geschichte des Trad. Erzgebirgskammweges.
|
|
|
Der Blaue Kammweg.
|
|
 |
 |
|
Am 13. April 1902 trafen sich die Vertreter der nordböhmischen Gebirgsvereine insbesondere aus dem Lausitzer Gebirge in Warnsdorf und entschieden sich zur Markierung eines Wanderweges vom Jeschken auf den Rosenberg unter dem Zeichen eines vierzackigen blauen Kammes. Dieses Treffen ist die Geburtsstunde des B la u e n K a m m w e g e s. Im Juni 1903 erkunden und erwandern A. Paudler und August Frind, Kunstmaler aus München, die Strecke vom Jeschken nach dem Rosenberg.
Am 6. September 1903 einigten sich dann die Isergebirgs- und Riesengebirgsvereine in Wurzelsdorf auf die Verlängerung dieses Weges von der Karlsthaler Brücke bis zur Schneekoppe.
|
|
|
 |
 |
|
AK Gruss vom Kammweg und Umgebung, Schneekoppe-Lausche-Schneeberg-Fichtelberg. (bereitgestellt von Matthias Großer/Sebnitz)
|
|
 |
 |
|
1904 traten dann in Komotau auch die Erzgebirgsvereine des Nordwestböhm. Gebirgsvereins-Verbandes dieser Initiative mit der Markierung von Tetschen bis nach Asch bei. 1906 erscheint der 1. Erzgebirgs-Kammweg-Führer von Josef Brechensbauer/Teplitz-Schönau mit einer großen Karte des Kammweges über das Erzgebirge.
1913 wurde der Blaue Kammweg von Asch im Egerland ab durch einen sogenannten Verbindungskammweg bis nach Blankenstein an der Saale (hier Anschluss an den Rennsteig) auf deutsches Gebiet verlängert (Idee zum Zusammenschluss aller mitteleuropäischen Kammwege von der Saar bis nach Schlesien).
Von 1918 bis 1931 wurde der Blaue Kammweg dann in den Ostsudeten und in den Landkarten schrittweise von der Schneekoppe bis zum Gipfel des Altvaters markiert und karthografiert und erreichte somit die Länge von fast 800 km.
Unser Trad. Erzgebirgs-Kammweg ist das 240 km lange Teilstück des Blauen Kammweges über unsere Heimat, der Kammlandschaft des Erzgebirges ...
|
 |
 |
|
Die Kammwegmarke.
|
 |
 |
|
Die markante blaue Kammwegmarkierung wurde im Jahre 1902 ersonnen von Herrn August Otto, Fabrikant aus Warnsdorf. Auch heute noch zeitlos, unverwechselbar und besonders einprägend, d.h. erinnern sich ältere Erzgebirger bis heute an die Kammwegmarke auf ihrem täglichen Schulwege vor über sechzig Jahren ... Die drei abgebildeten hist. Kammwegmarken stammen aus dem Archivbesitz von den Kammwegfreunden Herrn Matthias Großer aus Sebnitz/Sachsen und Herrn Joza aus Bodenbach/Tetschen. Bei der gr. Emailleversion handelt sich um eine Kammwegmarke aus den 20´er Jahren, das Schild stammt vom Haus 156/111 in Bodenbach OT Nieder-Ulgersdorf an der Teplitzer Str., das ist die Straße von Tetschen in Richtung Eulau und wurde 1990 bei einer Fassadenrenovierung gerettet.
|
 |
|
|
|
 |
 |
|
Der Erzgebirgs-Kammweg (nach Viktor Karell “Aus dem Böhm. Erzgebirge”).
Die Anregung zu einem Erzgebirgs-Kammweg nach dem Muster des Riesengebirgs-Kammweges, des “Pinzgauer Spazierganges” in den Alpen, des Thüringer Rennsteiges und auch den kleineren Kammwegen im Böhmerwald; ging von dem damaligen Schriftführer des Teplitzer Gebirgsvereins, Herrn Josef Brechensbauer, auf einer Delegiertenversammlung des Nordwestböhmischen Gebirgsvereins-Verbandes in Komotau am 28. Feber 1904 aus.
Trotz anfänglicher Widerstände war im Jahre 1905, insbesondere auch durch die tatkräftige Unterstützung der sächs. Erzgebirgsvereine, der Erzgebirgs-Kammweg mit dem Zeichen des vierzackigen blauen Kammes auf weissem Grunde auf der 290 km langen Strecke vom Elbstrom bei Tetschen bis zur Stadt Asch an den Abhängen des Fichtelgebirges markiert. Dadurch wurden erst so recht die Naturschönheiten u. -besonderheiten des Erzgebirgskammes dem Bergwanderer erschlossen. In 9-10 Tagen bzw. 4-5 Wintertagen lässt sich dieser anspruchsvolle echte Gebirgsweg über das Hohe Erzgebirge bewältigen ...
|
 |
|
|
|
 |
 |
|
Josef Brechensbauer, 1867-1945 aus Bad Teplitz-Schönau. Verdienstvoller Förderer unserer erzgebirgischen Heimat.
(Lebensdaten aus einem Brief von Urenkel Hr. Volker Schmidt/München, ergänzt von Enkel Hr. Stefan Brechensbauer/Trelleborg).
|
|
|
 |
 |
|
“Viele Informationen besitze ich leider selber nicht. Durch den Krieg ging vieles verloren. Ich hoffe, die folgenden Zeilen entsprechen Ihren Vorstellungen. Mein Großvater Alfred Brechensbauer, das einzige Kind von Josef Brechensbauer, begann seine eigenen Lebenserinnerungen mit: “Mein Vater war ein Wandersmann, und mir liegt´s auch im Blut” und erzählt auch davon, wie er schon als kleines Kind mit seinem Vater die Wegemarkierungen des Kammweges mit Pinsel und Farbe besonders im Teilabschnitt des Teplitzer Bezirkes mit dem blau-weißen Kammwegzeichen markierte. Auch im beruflichen eiferte er seinem Vater nach und wurde wie dieser Lehrer.
Sein Vater, mein Urgroßvater, Josef (Franz) Brechensbauer, wurde am 3. November 1867 in Komotau im Böhmischen geboren. Ursprünglich waren die Brechensbauer ein altes Wiener oder Österreichisches Geschlecht, welches mitunter die Industrialisierung nach Böhmen verschlagen hat. Nach Schule und Ausbildung gelang ihm 1886 der Einstieg in den öffentlichen Schuldienst und seit 1913 diente er als Oberlehrer in Teplitz-Schönau. Verheiratet war er mit Helene, geborene Ritter von Rittershain, Tochter eines k.u.k. Universitätsprofessors in Prag. Aus der Ehe ging am 14. August 1906 ein Kind hervor, Alfred (Gottfried Josef) Brechensbauer. Nebenberuflich und nach der Pensionierung war Josef B. als Heimatforscher tätig. Unter anderem stammen aus seiner Feder:
|
|
 |
 |
|
I. Das Kapitel über das Böhmische Mittelgebirge im erfolgreichen „Wegweiser durch das Erzgebirge“ von Professor Bruno Berlet (1908, 312 Seiten), II. “Aus der Vergangenheit der Stadt Töplitz-Schönau und ihrer Umgebung – ein Geschichtsbild“ (1912, 95 Seiten) III. das Kapitel über den Erzgebirgs-Kammweg im Band 2 “Das Böhmische Erzgebirge” von Viktor Karell (1968, 261 Seiten) und besonders der IV. “Erzgebirgs-Kammweg-Führer” im Graserschen Verlag (1932 und andere Auflagen, 64 Seiten).
|
|
|
 |
 |
|
Josef Brechensbauer in seiner Jugendzeit und seine Mutter, Theresia Brechensbauer aus Komotau.
|
|
 |
 |
|
In Folgen von Abhandlungen beschäftigte er sich u.a. eingehend mit den Namenserklärungen heimatlicher Ortschaften des Erzgebirges oder sammelte heimatliche Sagen. Der Erzgebirgs-Kammweg zwischen Asch und Tetschen und auch der Zusammenschluss aller mitteleuropäischen Kammwege vom Hunsrück bis zum Odergebirge, von der Saar bis nach Schlesien, war seine Idee, zum Teil sein Werk - so sein Sohn in seinen Lebenserinnerungen.
Josef Brechensbauer war freier Mitarbeiter beim Teplitz-Schönauer Anzeiger und von 1905 bis 1920 Schriftleiter der dort erscheinenden Erzgebirgszeitung. 1907 wurde der erste Skiklub in Teplitz ausgegründet, er wurde zum Amtwalter gewählt.
|
|
|
 |
 |
|
Familienbild: Josef Brechensbauer, Enkel Stefan Brechensbauer und Robert Arlt.
|
|
 |
 |
|
Sein Wirken in den Gebirgsvereinen war ihm ein besonderes Anliegen, so war er von 1921 bis 1927 Verbandsobmann des Gebirgsvereins Teplitz, auch Obmann des Nordwestböhmischen Verbandes der Gebirgsvereine, nach 1925 Geschäftsstellenleiter des Hauptverbandes der deutschen Gebirgs- und Wandervereine in der Tschechoslowakei, der seinen Sitz in Aussig hatte.
|
 |
 |
|
Josef Brechensbauer ist mit 78 Jahren am 9. September 1945 noch in seinem Haus in der Zeidlerstraße 12 in Teplitz gestorben, seine Ehefrau ist ihm wenige Monate später am 30. Januar 1946 im Teplitzer Krankenhaus gefolgt. Ihre Gräber sind unbekannt.” Volker Schmidt, München 2007
|
 |
 |
|
Stefan Brechensbauer (Enkel), Sand (Sektion Kammweg) und Wolfgang Mende (Erzgebirgsverein Zinnwald). Zweisprachige Erinnerungstafel für Josef Brechensbauer 2009, wird im Frühjahr 2010 in Georgenfeld/Erzg. unmittelb. am Kammweg angebracht.
|
 |
 |
|
Die ehem. Gebirgsvereine (1932) deren Arbeitsgebiete der Trad. Erzgebirgskammweg durchzog.
|
|
|
 |
 |
|
Der Teplitzer Gebirgsverein.
|
|
 |
 |
|
In Böhmen (Nordwestböhm. Gebirgsvereins-Verband, Sitz Teplitz-Schönau):
1. G e b i r g s v e r e i n f ü r d i e B ö h m i s c h e S c h w e i z , T e t s c h e n von Bodenbach bis Oberwald
2. G e b i r g s v e r e i n A u s s i g von Oberwald bis Ebersdorf
3. T e p l i t z e r G e b i r g s v e r e i n f ü r d a s E r z - u n d M i t t e l g e b i r g e von Ebersdorf bis Göhren
4. E r z g e b i r g s v e r e i n B r ü x - O b e r l e u t e n s d o r f von Göhren bis Kleinhan
5. E r z g e b i r g s v e r e i n G ö r k a u von Kleinhan-Kallich
6. E r z g e b i r g s v e r e i n K o m o t a u von Kallich bis Sebastiansberg
7. E r z g e b i r g s v e r e i n P r e ß n i t z von Sebastiansberg bis Dörnsdorf
8. E r z g e b i r g s v e r e i n K u p f e r b e r g von Dörnsdorf bis Hofberg
9. E r z g e b i r g s v e r e i n J o a c h i m s t h a l von Hofberg bis Werlsberg
10. V e r e i n d e r N a t u r f r e u n d e , A b e r t h a m von Werlsberg bis Platten
11. E r z g e b i r g s v e r e i n P l a t t e n von Platten bis zur ehem. Reichsgrenze
12. E r z g e b i r g s v e r e i n N e u d e k von der ehem. Reichsgrenze bis Sauersack
13. E r z g e b i r g s v e r e i n G r a s l i t z von Sauersack bis zur ehem. Reichsgrenze bei Wernitzgrün
14. D e u t s c h e r A l p e n v e r e i n A s c h u n d A n p f l a n z u n g s - u n d V e r s c h ö n e r u n g s v e r e i n A s c h von der Elsterquelle bis zum Hainberg
|
 |
 |
|
Mit dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns, der Gründung der Tschechoslowakei und im politisch heraufbeschworenen Verlauf der folgenden Jahre begann das dunkelste Kapitel in der gemeinsamen und wechselvollen Geschichte der beiden böhmischen Völker, den Deutschböhmen/Sudetendeutschen und Tschechen. Zuletzt haben beide Nationen ein bitteres Lehrgeld für die Erkenntnis zahlen müssen, “dass kein Volk ganz allein für sich leben und glücklich sein kann, wenn es die andern Völker verstösst und in das Unglück drängt”(Bruno Brehm aus “Heimat in Böhmen”).
|
 |
|
|
 |
 |
 |
|
Mit der Vertreibung der Sudetendeutschen 1945/46 aus ihrer Heimat geriet auch unser Erzgebirgs-Kammweg durch die damit erfolgte Zwangsauflösung des Nordwestböhmischen Gebirgsvereins-Verbandes und der örtlichen Erzgebirgsvereine fast vollständig in Vergessenheit, die Markierungen verschwanden ebenso wie die vielen Gebirgsdörfer entlang der Grenze verfielen bzw. liquidiert wurden, mit ihnen verschwanden die Gasthöfe (Kammweg-Auskunftsstellen, Schlüsselstationen), zahlreiche Aussichtswarten, Gebirgsvereinsheime, Bergbauden und Unterkunftshäuser im Böhm. Erzgebirge. Somit ereeilte auch unseren Erzgebirgs-Kammweg als grenzüberschreitender Weg ein “politisch heraufbeschworenes” Schicksal” ...
|
|
|
 |
 |
|
“Grenzsicherungsverhau” 1950 zwischen DDR und ČSR (ab 1960 ČSSR) am Erzgebirgskammweg in Zinnwald, d.h an der alten Grenzbuche.
|
|
 |
 |
|
Obwohl die kommunistischen Nachfolgestaaten der DDR und ČSSR sogenannte “Bruderstaaten” waren, sicherten beide militärisch ihre Grenzen und riegelten diese und sich gegeneinander ab. Somit schwebte jahrzehntelang dann auch ein dunkler Mantel des Schweigens und des Vergessens über dem alten Kammweg entlang der dt.-tschech. Grenze im Erzgebirge...
|
 |
 |
|
Gegenwart.
|
|
|
 |
 |
|
Letzte Zeichen um 2004 am Trad. Erzgebirgskammweg, alte Fassadenaufschrift der “Kammwegbaude” in Schneeberg/Böhm. Schweiz; rechts Kammweg-Blechmarke von 1905 an einem Hausgiebel in Heinrichsdorf/Erzg. (Foto: Beate und Manfred Kreher/Grossrückerswalde)
|
|
 |
 |
|
Die meisten halten heute entweder die rotmarkierte tschech. Erzgebirgs-Ski-Magistrale, den tschech. Fernradweg Nr. 23 oder auch den Europäischen Fernwanderweg E3 über das Erzgebirge für den alten Erzgebirgs-Kammweg; diese verfolgen touristisch bedingt aber nur Teilstücke des alten Originalweges.
Gegenwärtig auch auf sächsischer Seite des Erzgebirges und Vogtlandes, wo die sogenannte K a m m to u r als “Erzgebirgskammweg” oder als “Blauer Kammweg” von den beiden Tourismusverbänden ausgewiesen und vermarktet wird. Auch dieser Weg kann lediglich nur ein ausgesprochener Höhenweg sein, da er nicht über den eigentlichen Kamm des Erzgebirges/d.h. die Wasserscheide des Gebirges verläuft; ein echter Kammweg ist die “Kammtour” daher nicht. Dieser neue sächsische Höhenweg soll in den nächsten Jahren als “Kammweg Erzgebirge/Vogtland”, welcher den Kriterien eines “Qualitätsweges Wanderbares Deutschland” entspricht, vermarktet werden. Leider ziert ihn dabei die falsche Etikette ...
|
|